Sarpreet Singhs Weg von Rostock nach Nordamerika
Singh kam im Sommer 2023 vom FC Bayern München an die Ostsee. In München hatte er es trotz großer Versprechen nie über die zweite Mannschaft und vereinzelte Kurzeinsätze hinaus geschafft, in Rostock sollte er endlich regelmäßig spielen. In der Saison 2023/24 brachte er es laut seinem Profil bei weltfussball auf 16 Pflichtspiele für den FC Hansa und traf einmal. Der Mittelfeldspieler mit der Nummer 10 sollte das Offensivspiel beleben, blieb in seiner Zeit an der Küste aber unter den eigenen Möglichkeiten. Verletzungen und ein Trainerwechsel bremsten den Lauf, den sich beide Seiten erhofft hatten.
Umso überraschender wirkt sein Weg auf die Weltbühne. Für Neuseeland ist Singh längst gesetzt, und die Ozeanier hatten sich über die Qualifikation ihres Kontinentalverbands für das auf 48 Mannschaften vergrößerte Turnier durchgesetzt. Bei der WM 2026 kam er in zwei Gruppenspielen zum Einsatz. Beim 2:2 gegen den Iran und beim 1:3 gegen Ägypten stand er zusammen rund 164 Minuten auf dem Feld und sah eine Gelbe Karte. Nach Beobachtung der Redaktion füllte Singh dabei eine andere Rolle als in Rostock: defensiver, mit mehr Laufarbeit gegen den Ball und seltener im letzten Drittel. Für einen Spieler, der vor Kurzem noch in der 2. Bundesliga um Punkte kämpfte, ist allein die Teilnahme bemerkenswert.
Wenn Fans ihre WM-Spiele begleiten
Für viele an der Küste ist Singh ein Grund, bei dieser WM genauer hinzuschauen. Ein bekannter Name im Aufgebot eines Außenseiters macht die fernen Spiele plötzlich nah. Und eine Weltmeisterschaft ist seit jeher das Turnier, das auch Gelegenheitszuschauer vor die Bildschirme zieht, ob im Stadion, in der Kneipe oder beim Public Viewing am Stadthafen.
Wer einzelne Partien mit einem kleinen Tipp begleitet, schaut vorher meist auf die Quoten. Schon vor dem Turnier sahen deutsche Fussball Wettanbieter Neuseeland als klaren Außenseiter, ein Weiterkommen wurde nur mit hoher Quote gehandelt. Gerade bei solchen Spielen lohnt der Vergleich, denn die Unterschiede sind größer, als viele vermuten: Auf einen neuseeländischen Sieg gab es bei einem Haus eine deutlich höhere Quote als beim nächsten.
Neuseelands Auftritt bei der WM
Sportlich war für die Neuseeländer in der Gruppe wenig zu holen, das 2:2 gegen den Iran blieb der Höhepunkt. Wer die Partien, Tabellen und Aufstellungen im Detail nachlesen will, findet beim kicker laufend aktualisierte Daten zu Singh und seinem Team. Dass ein ehemaliger Zweitligaspieler aus Rostock bei einer WM auf dem Feld steht, bleibt für viele an der Küste die eigentliche Geschichte des Turniers. So viel Spaß das Mitfiebern und der eine oder andere Tipp machen, am Ende zählt das gemeinsame Fußballerlebnis mehr als jede Quote.
Rostocks lange Verbindung zu Weltmeisterschaften
Singh reiht sich in eine lange Reihe ein. Schon 1974 stellte der FC Hansa Rostock mit Gerd Kische und Joachim Streich zwei Stammspieler im einzigen WM-Aufgebot der DDR. Kische spielte alle sechs Turnierspiele durch, auch beim historischen 1:0 gegen die BRD, und Streich gilt bis heute als Rekordtorschütze der DDR-Oberliga. Über Jahrzehnte blieb diese WM der einzige Auftritt von Rostocker Spielern auf der ganz großen Bühne.
Bei der WM 2026 ist die Kogge gleich mehrfach vertreten. Neben Singh steht der frühere Hansa-Stürmer Sergej Barbarez als Cheftrainer von Bosnien-Herzegowina an der Seitenlinie, er traf zwischen 1996 und 1998 in 62 Pflichtspielen 14 Mal für die Hanseaten. Auch der einstige Leihspieler Dong-gyeong Lee gehört zum südkoreanischen Kader, kam bislang aber nicht zum Zug. Wer die Spielpläne und Ergebnisse im Blick behalten will, findet beim Weltverband FIFA alle Daten zum Turnier.
Wie weit Neuseeland kommt, ist offen, ein Achtelfinale wäre für die Ozeanier schon ein großer Erfolg. Für Singh zählt nach den schwierigen Jahren in Deutschland aber ohnehin etwas anderes: Er ist wieder ein wichtiger Spieler, diesmal für sein Land. Für ein Sportjahr, das in Rostock reich an Geschichten ist, setzt diese WM einen eigenen Akzent. Drei Männer mit Hansa-Vergangenheit auf der größten Fußballbühne der Welt, das hat es so noch nicht gegeben.