2010



Zeitgeist: "Im Namen des Fortschritts"
Über bipolare Entwicklungsstörungen, ihre Handschrift, ihre Konsequenzen und die Qual der Wahl

Ja, Sie lesen richtig. Hat scheinbar mit Sport nichts zu tun. Am Ende des Textes werden Sie erkennen, daß der Schein einmal mehr trügt. Ich möchte an dieser Stelle einmal Fragen beantworten, die mir im Laufe der Jahre zugetragen wurden. Fragen, über die sich lokale oder regionale Medien verschweigen. Ob es dabei bleibt, obliegt nicht mir. Wir gehen den ersten Schritt und hoffen, daß es diesmal für mehr als nur Trittbrettfahrerei reicht.


Frage: Was ist das Ziel von Rostock-Sport.de?

Antwort: Ziel ist es, auf diesem Wege einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, den Kindern dieser Stadt wichtige gesellschaftliche Werte zu vermitteln. Kurz, wir versuchen über den Sport die Jugend von der Straße zu holen. Das gelingt uns nicht immer und nicht selten stellt sich in Gesprächen vor Ort heraus, daß viele Möglichkeiten, auch solche, die wir anbieten, nicht bekannt sind. Möglichkeiten, Perspektiven aufzuzeigen, Teilhabe zu ermöglichen und damit Rückhalt aufzubieten.

Frage: Verdient Ihr damit Geld?

Antwort: Klares "Nein". Es wäre vermessen, hier eine Kosten-Nutzen Rechnung zu machen. Der reale Wert ist hier wichtiger als eine imaginäre Währung. Einen klaren Verstand muß man wollen, den gibt es nicht zu kaufen. Der entscheidende Punkt ist, daß wir meinen, was wir sagen. Schließlich hängt die Zukunft der Kinder nicht zuletzt davon ab, was sie sich selbst wert sind. Umso wichtiger ist ein gesundes Werteverständnis, was keine Frage des gesellschaftlichen Status zu sein hat. In einer Stadt wie Rostock ist das eine enorme Herausforderung. Viele sind zwar stolz, wissen aber gar nicht worauf, also gibt es massives ein Identitätsproblem. Es spiegelt sich in Vandalismus, Gewalt (egal ob links oder rechts draufsteht).

Frage: Arbeitet Ihr mit Fördermitteln?

Antwort: Klares "Nein". Es wäre schäbig, den politischen, geistigen Abschaum auf dem Rücken der Kinder abzuladen. Schlimm genug, was aus Schwerin, der Bürgerschaft und insbesondere dem Rathaus ans Tageslicht tritt. Raubbau am Volk und seinen Gästen sind die Tagesordnung. Die Idee der Fördermittel sollte nicht nötig sein. Sie ist nur die Konsequenz kulturgeschichtlicher Fehlentwicklungen. Die Vereine dürften ein Lied davon singen können, welch bittere Ironie im Alltag dabei zutage tritt. Um die soziale Armut in Stadt und Land hat sich inzwischen eine gewaltige Fördermittelindustrie entwickelt. Im Klartext heißt das, daß die Armut der Kinder gewollt und hinter dem Konstrukt der Fördermittel stabilsiert wird. Das ist definitiv nicht unser Stil!

Frage: Gibt es Anfeindungen oder Störversuche, den Betrieb zu boykottieren?

Antwort: Ja, diese hat es gegeben und gibt es noch immmer. Dabei unterscheiden wir zwischen politisch und wirtschaftlich motivierten Aktionen. Zu größeren Veranstaltungen, etwa olympischen Spielen, stehen wir unter Dauerbeschuß aus dem Terretorialbereich des ehemaligen Ostblocks. Die Angriffe auf Mail- und Webserver sind wirkungslos. Wohl aber haben wir diese im Auge und analysieren auch deren Botschaft(en). Allesamt weisen sie darauf hin, daß in diesem Land etwas nicht stimmt. Bei näherer Betrachtung ist dort effektive Substanz. Sie fordern uns auf, unseren Umgang auch sozialpolitisch zu hinterfragen.

Wirtschaftlich gibt es immer wieder Konfrontationen. Diese gehen zwar nicht von uns aus, werden uns aber aufgedrückt. So sind es die kreativen Momente frischer Besen in Online- und Printmedien, die mehr ausschließen als sie ahnen. Angefangen bei der unlauteren Entlohnung von Journalisten, die weit unter dem gesetzlich festgesetzten Mindestlohn für kommerzielle Medien befindlich sind, geht es über Exklusivivtätsverträge mit freien Jounalisten in eine Normalität, über die der Leser nie erfährt. Am Ende schießen sie sich ein Eigentor. Denn sinkende Absatzzahlen bei großen und kleinen Tageszeitungen kommen nicht von irgendwo her. Gute, qualitativ beständige Berichterstattung oder gar geistig anspruchsvolle Publikationen weichen schleichend dem Boulevard-Charakter. Es wird die Illusion vermittelt, man wüßte vom Zeitgeschehen. Doch die Oberflächlichkeit dominiert seit Jahren. Ein Phänomen, welches sich nicht exklusiv auf den Sport beschränkt, sondern themenunabhängig die Norm wurde.

Richtig traurig wird es, wenn man mit der Respektlosigkeit von Medien konfrontiert wird, deren Betreiber selbst erfolgreiche Sportler waren. "Peinlich, peinlich!" kann ich an dieser Stelle nur sagen. Wir sehen Euch nicht als Konkurrenz, denn dazu fehlt der Charakter.

Frage: Seit Jahren hat Rostock-Sport sein Erscheinungsbild beibehalten. Wird es da nicht einmal Zeit für eine frische Tapete?

Antwort: Eine solche ist in Arbeit. Wir wissen, daß es eine natürliche Unübersichtlichkeit gibt, die uns selbst mißfällt. Ein Autorensystem wäre schnell installiert und doch fiele es uns auf die Füße. Egal, ob Joomla oder Typo3, sie allesamt sind mit der heißen Nadel gestrickt und dies hätte mehr Nach- als Vorteile. Die technische Entwicklung scheint uns oftmals überholt zu haben und doch hat sie es kein Stück. Hier zählt nicht der "Bunt-Faktor", sondern der Inhalt. Bis das hauseigene Autorensystem fertig ist, erstellen wir die Seiten von Hand.

Frage: Warum tut Ihr Euch das an, diesen Aufwand, entgegen jeder Vernunft?

Antwort: Was bitte ist Vernunft? Ist es Vernunft, dem Irrsinn kleinbeigebend nachzugeben? Oder ist es Vernunft, sich darüber bewußt zu sein, daß der Irrsinn in sich selbst kollabiert und man es schlicht nur aussitzen muß? Es ist wichtig, daß es uns gibt. Eine konstante Größe seit Jahren in einer immer instabileren Gesellschaft. So, wie in den Vereinen sich unzählige Menschen für eine bessere Zukunft engagieren, so paradox erscheint es, wenn sich Politiker als große Gönner ablichten lassen und an deren Erfolgen, an denen sie keinerlei effektiven Anteil haben, doch eigentlich nur Sorge dafür tragen, daß es schon an Erpressung grenzend, dem Trug eine Zukunft zu sichern. Beschämend, daß es Journalisten gibt, die so wenig Selbstachtung haben, daß sie da noch draufhalten.

Frage: Die Berichterstattung irritiert oftmals, da zwischen den lokalen Sportberichten auch nicht lokale Berichte erscheinen. Absicht?

Antwort: In der gegenwärtigen Aufstellung der Seite wird der Grund nur in Teilen erkennbar. Die Autoren dieser Beiträge versuchen, den Bezug zum Rostocker Lokalsport einzuarbeiten. Dies gelingt nicht immer. In der sportgeschichtlichen Entwicklung gab es viele Sportler, die sich für den Sport in Rostock stark gemacht, hier ihre Wurzeln haben. Sie geben ein Stück Wurzelwerk zurück. Das Ziel ist Identität. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Größen nationaler oder internationaler Erfolge und Wege handelt. Auch hier zählt der Inhalt, nicht das Geld. Sportgeschichte gehört zum Sport dazu und wir haben auch hier ein Stück Verantwortung vor uns, das wir tragen können.

Frage: Stichwort "Sponsoring" - Wie denkt Ihr darüber?

Antwort: Ein zweischneidiges Schwert, welches viele Jahre als Damoklesschwert über der lokalen Sportwelt schwebte. Wir verteufeln es nicht, gehen jedoch sehr sorgsam damit um. Da gibt es Sponsoren aus der Region, in Form kleiner und mittelständischer Unternehmen. Sie unterstützen Sportler und Vereine, weil sie wissen, daß das Fördermittelsystem nicht funktionieren kann, die Mittel nicht reichen und ein Abwandern zu Bevölkerungsschwund, in der Konsequenz weniger Kundschaft führt.

Etwas anders verhält es sich bei Konzernen. Hier geht es um reine Werbung und Synergieeffekte zur Gewinnmaximierung. Ein Paradebeispiel ist das Ostseestadion. Ja, Ostseestadion! Wie sich ein Verein so dermaßen ins Knie schießen konnte ist mir bis heute ein Rätsel. Da wurde ein wesentliches Stück Heimat / Identität in klingende Münze auf unterstem Niveau gewandelt. Doch wer hat daran verdient? Wer ist Träger der Popularität? Sind es die Merchendisingexperten des DFB oder sind es zufällig die Menschen und Fans?

Frage: Tabuthema "Doping" - Ist es Bestandteil Euren Wirkens?

Antwort: Ja, das ist es. Doping hat viele Gesichter. Gemeinhin sind nur die Manipulation des Blutes oder pharmazeutische Präparate in Volkes Kopf präsent. Nicht minder gefährlich ist das Überschreiten persönlicher Grenzen für den Momenterfolg. Erfolg ist wünschenswert, keine Frage. Doch zu welchem Preis? Bis es zum Einsatz von populären Dopingmethoden kommt, ist es ein weiter Weg. Wer im Sport vorn oder gar an der Spitze mitmischen will kommt nicht umher, damit in Berührung zu gelangen. Viele werden an dieser Stelle fragen warum das so ist. Hier gilt es zu unterscheiden zwischen Sport und Showsport. In den Medien ist eine Unterscheidung kaum noch auszumachen. Die Grenzen verschwimmen, manchmal unbewußt, oftmals gewollt. So beginnt es mit Schokolade, geht über psychologische Kontrolle bishin zum Anschreien. Dies hat nichts mit einem taktischen Zuruf eines Trainers in einem Wettkampf zu tun. Leidenschaft gehört dazu und die möchte ich auch nicht missen. Allerdings hat das Grenzen. Man kann Aggressionspotential durch Provokation aufbauen und dieses entlädt sich dann innerhalb eines Wettkampfes. Doch diese Methode hat auch Nebenwirkungen. Ein Sportler baut, dem Sport entsprechend in den Trainingseinheiten seine Muskulatur auf. Damit verbunden sind enorme Kräfte. Diese bewußt und kontrolliert zu platzieren ist eine hohe Kunst. Eine Kunst, derer viele gern beherrschen möchten. Im Run um Sponsoren und Fördermittel droht hier ein enormes Gefahrenpotential. Bei Doping-Tests möchte sich natürlich niemand erwischen lassen. Also steht noch die Manipulation der Psyche als Option. Die Veränderung ist Konsequenz eines Lernprozesses, der ebenfalls auftrainiert wird. Verborgene Schlüsselreize lösen Hormonschübe aus, die Schmerzempfinden ausschalten und die Gewinnlampe einschalten. In der Gesellschaft zählt Erfolg und der wird in Geld bemessen. Ist es wirklich ein Erfolg, wenn man eine tickende Zeitbombe züchtet, schwere Verletzungen für einen Sieg stillschweigend in Kauf nimmt?

Da kann ich weder weggucken, noch so tun, als wüßte ich von nichts. Natürlich ist es Thema auch bei den Veranstaltungen, insbesondere beim Kampfsport. Verblüffend, daß ich in Rostock auf Vereine und Trainer und Sportler treffe, die sich diesem offen stellen und dankbar sind, daß man danach fragt. Da hat Rostock etwas zu bieten und das mal nicht zu knapp. Das hat wahre Größe und nichts mit dem Prügel-(Kick)Boxen fürs Fernsehen zu tun.

Frage: Fördert Ihr Nachwuchs? Wenn ja, wie?

Antwort: Eindeutig, ja. Wir untersützen auf zwei Wegen. Zum einen thematisieren wir regelmäßig den sogenannten Schulsport, zum anderen braucht es ja auch künftig Menschen, die sich um eine Sportberichterstattung in Text, Bild, Video bemühen.

Wir bedauern ausdrücklich, daß das Thema Schulsport seitens der Stadtverwaltung nur als Begrifflichkeit zur Dekoration verwendet wird. Ein Begriff, der gummiartig, je nach Bedarf, zurechtgebogen wird. Es ist ein Armutszeugnis, wie lange es gedauert hat, um allein das Wort zu etablieren. Muß man wirklich aus niederen Gründen der persönlichen Bereicherung den Kindern das Dogma der Propaganda in einem hübschen Kostüm auferlegen? Ein paar Termine ohne Sektgläschen sind sicher nicht nur der Gesundheit dienlich, sondern begünstigen auch die nüchterne Betrachtung der Fakten.

Die Argumentation mancher Vereine bezüglich Nachwuchsproblemen können wir nicht nachvollziehen. Es reicht nunmal nicht, einen Verein gegründet zu haben. Eine solide Öffentlichkeitsarbeit gehört dazu, wie ein gesunder Alltag. Seit Jahren bieten wir die kostenfreie Publikation an, auch vor Fragen, wie man sich verbessern kann, schrecken wir nicht zurück. Mit nicht getaner Arbeit, fehlt ein Stück Erlebnis.

Unsere Gesellschaft erfährt einen enormen Wandel und wir sind allesamt in der Pflicht darauf zu achten, daß kein Kind vergessen wird. In den Schulen schleicht sich die perverse Idee ein, mit Psychopharmaka auf "Abweichler" zu antworten. Sie bekämpfen Symptome, weil ihnen der Mut fehlt, die Ursachen beim Namen zu nennen. Fehlende Aufmerksamkeit durch überarbeitete Eltern, soziale Spannung und Zerrissenheit, Lug und Trug wenn unsere Kinder die Augen öffnen. Sie haben eine Norm zu erfüllen und wenn sie das nicht tun, sich nicht fügen, dann treten sogenannte Psychologen auf den Plan. Alle Achtung vor soviel geistiger Armut. Um der Selbstgefälligkeit wegen sich an Kindern dermaßen zu vergehen ist ein Verbrechen!

Frage: Welche Perspektive bietet Ihr Kindern mit Einschränkungen?

Antwort: Aus eigener Erfahrung kann ich dazu nur eines sagen: Jede Einschränkung birgt eine Chance.
Das kling im ersten Moment weit hergeholt, entfaltet sein Aroma jedoch erst bei genüßlichem Konsum. Nicht jedes Kind erkennt sich im aktiven Sport wieder und manchen fehlen gar die Voraussetzungen auf natürlichem Wege ihrer Einschränkung. Wenn man sich mit einem Kind befaßt, zeigt es einem, wofür es sich interessiert. Es ist nicht zuletzt an uns selbst, Fähigkeiten und Möglichkeiten zu suchen, aufzuzeigen, in denen sie ihre Bestätigung finden. Ich selbst bin Autist und mußte mich allein durchkämpfen. Ein steiniger Weg, auf den ich mit Stolz zurückblicke. Körperliche Einschränkungen, teilweise durch Unfallschäden, machen es mir persönlich unmöglich, einer Arbeit nachzugehen, auf dem Niveau, was als "normal" bezeichnet wird. Bin ich deshalb weniger wert? Ist mein Wissen deshalb weniger wert? Auf meinem Weg sind mir so ziemlich alle Ausreden begegnet, zu der Menschen fähig waren und sind. Bis heute kann ich jede davon an die Wand argumentieren. Es ist selten, daß ich Veranstaltungen besuche. Keine Frage mangelnden Interesses, sondern eine Frage der Reizintensität. Selbst viele Jahre im Kampfsport zuhause, bleibt mir heute die Anteilnahme in kombinatorischer Form. So verschmelzen die Leidenschaften von Kampfsport und Fotographie zu authentischen Bildern.


Die Entwicklung bietet zwei Möglichkeiten im Finale. Wir können den Weg des imaginären Wertes oder den Weg des realen Wertes gehen und leben. Beide Wege laufen auseinander. Gespiegelt in dem Begriff der gesellschaftlichen Schere, dem Volksmundsynoym für Bipolarität. Biplar meint zwei Pole, zwei Extreme. Wir haben einige wenige Kinder, denen es materiell an nichts fehlt. Wir haben unzählige Kinder, denen es materiell vergleichsweise an allem fehlt. Dazu gehört auch der "Geld-Faktor" für die Teilnahme an gesellschaftlichen Aktivitäten. An diesem Punkt spätestens dürfte einem das perverse Ausmaß an kommerzialisierten Gesellschaftswerten aufstoßen. Eines jedoch haben alle Kinder gemein. Sie bedürfen nicht nur wirtschaftlicher Aufmerksamkeit, sondern auch der persönlich-emotionalen Aufmerksamkeit. So ist es an uns, heute die Grundsteine dafür zu legen, diesen Krieg des Glaubens zu beenden und unseren Kindern eine "echte" Grundlage für ein Leben in dauerhaftem Frieden und realem Fortschritt aufzubieten. Mit einem gesunden Werteverständnis, gesunden Selbstbewußtsein sind wir durchaus in der Lage es besser zu können. Im Sport können wir in Sieg und Niederlage berichten. Doch Gewinner sind alljene, die des Inhaltes wegen angetreten sind, real.

In der Sache geht es in Sport wie anderen Leidenschaften darum, sich selbst, die eigenen Fähigkeiten, deren Grenzen kennen- und respektieren zu lernen. Im Tenor der Individualität führt es langfristig zu einer gesunden Vielfalt, in der Neid, Habgier und Egoismus Teil der Geschichte sind. So kann der Tag kommen, an dem unsere Kinder dem Wort Würde wieder Identität verleihen und ein lebenswertes Leben in echter Freiheit zu schätzen wissen.

der Systemadministrator





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