Bayern-Sieg auf kabbeliger Ostsee
(Kieler Nachrichten 02.06.08)

Kiel – Optis so weit das Auge reichte: Die Besucher des Olympiazentrums gewannen am Wochenende den Eindruck, die Außenförde sei von den Jüngstenbooten eingenommen. 336 Nachwuchs-Segler in zwei Klassen reihten sich zum Goldenen Opti vor Schilksee wie Perlen an der Schnur auf. An der Spitze dieser Kette stand zum Abschluss in der A-Klasse Oliver Oczycz (Bayrischer Yacht Club).  Mit den stetig wachsenden Teilnehmerzahlen stößt die größte deutsche Opti-Regatta in dieser Organisationsform an ihre Grenzen. „Wir freuen uns natürlich, dass wir immer mehr anerkannt werden – auch im Ausland. Aber wenn das so weiter geht, müssen wir uns sicherlich etwas Neues überlegen, um das Feld zu beherrschen“, sagte Thomas Schuhr, Abteilungsleiter Segeln beim veranstaltenden TSV Schilksee. Bisher wurde die A-Klasse zu den Starts jeweils in zwei Gruppen aufgeteilt. Aber auch da zeigte sich diesmal schon, dass es trotz verschärften Startverfahrens schwierig ist, das Feld sauber über die Linie zu bekommen. Machte zum ersten Rennen das Setzen der schwarzen Flagge noch Eindruck, musste die Wettfahrtleitung trotz dieser Disqualifikations-Drohung für jeden Frühstarter im zweiten Durchgang mehrere Startversuche unternehmen, um die Teilnehmer zu bändigen. So zog sich das Geschehen für die drei Wettfahrten am ersten Tag gehörig in die Länge und summierte sich zu einem Sieben-Stunden-Tag auf dem Wasser, der bei zunehmenden Winden bis auf fünf Beaufort zu echter Schwerarbeit wurde.Doch unter der intensiven Betreuung zahlreicher Trainer und Eltern, die an den Bahnmarken aus über 30 Motorbooten ihre Schützlinge beobachten, standen alle Teilnehmer die Strapazen problemlos durch. Und die zwei Wettfahrten des zweiten Tages wurden dann bei weiterhin frischem Ostwind zu Schnelldurchgängen, sodass die Wettfahrtleitung schon am Mittag die Flotte in den Hafen schicken konnte.

 Dass man auch als Segler von einem Binnenrevier mit der kabbeligen Ostsee-Welle bestens umgehen kann, bewies Oliver Oczycz aus Bayern. Mit einem souveränen Start-Ziel-Sieg zum Auftakt legte er den Grundstein zu seinem Gesamterfolg, den er mit einem weiteren Tagessieg vor dem Dänen Balder Tobiasen einfuhr. Bester Segler aus der Kieler Umgebung war Jens Marten aus Eckernförde auf Platz acht, der eine Frühstart-Disqualifikation verkraften musste.

Die Kieler Klubs sind dagegen derzeit mit dem Neuaufbau ihrer Regattagruppen beschäftigt. Während Trainer Patrick Böhmer vom Kieler Yacht Club mit Moritz Burmester auf Platz 100 in der A-Klasse immerhin schon einen Akteur in der leistungsstarken Gruppe hatte, war der TSV Schilksee ausschließlich in der B-Gruppe vertreten. „Für viele ist es die erste Teilnahme an einer großen Regatta. Da müssen sie sich erst einmal an die Felder gewöhnen“, sagte TSVS-Trainer Nils Dageförde, der allerdings aus Verletzungsgründen auf Mats Kampen verzichten musste, der ansonsten zur deutschen Spitze gehört. Sieger der B-Klasse wurde Max Schuberth (Rostock) vor Ansgar von Velsen (Flensburg) und Niklas Breuer (Rursee).

Von Ralf Abratis und
Uwe Paesler (Fotos)

Max Schuberth gewinnt den Silbernen Opti vor Kiel

Nachdem Max in diesem Jahr schon den Gothaer Cup (Rostock) und den Greifswalder Boddenpokal gewonnen hat, konnte er sich nun eindrucksvoll in Kiel durchsetzen.
Am Start waren 92 B-Segler und 250 A-Segler die den Goldenen Opti aussegelten. Damit ist diese Regatta die größte Ranglistenregatta in Deutschland. Entsprechend stark gefächert war auch das Teilnehmerfeld das aus ganz Deutschland, Dänemark und Holland kam. So gingen insgesamt fast 400 Optis bei Sonnenschein und guten Wind aus Ost um 4-5 Bft auf zwei Regattabahnen an den Start. Neben Max nahm auch Antonia Kühne aus unserer Optitruppe teil.

Nachdem wir am Freitag zeitig vor Ort waren machten wir uns noch einen gemütlichen Abend um ausgeruht am nächsten Tag die Wettfahrten angehen zu können.

Erster Start war am Samstag um 12 Uhr. Die Bedingungen waren für unsere Segler sehr ungewohnt, kappelige See und ein mäßiger bis frischer Ostwind. Aber die beiden kamen recht gut mit damit zurecht. So segelte Max gleich in der ersten Wettfahrt auf Rang 3 und Antonia ersegelte sich einen hervorragenden 17. Platz. Dazu ist zu sagen dass Antonia das erste Mal auf der Ostsee gesegelt ist. Die beiden konnten  das gute Ergebnis aus der ersten Wettfahrt im 2.Tagesrennen noch verbessern. So kam Antonia auf Rang 13 und Max segelte einen souveränen Start-Ziel Sieg mit über 2 Minuten Vorsprung heraus. In der letzten Tageswettfahrt lief es nach einem starken Rechtsdreher unmittelbar nachdem Start nicht ganz so gut. So kam Max nach einer Aufholjagd bei nun gut 5 Bft noch auf den 13. Platz und Antonia segelte auf Rang 31. So lag Max nach Tag 1 mit 5 Punkten Vorsprung auf dem 1 Rang. Antonia konnte sich über Platz 15 nach dem ersten Wettfahrttag freuen. Dies hatte keiner von uns erwartet und dementsprechend glücklich aber auch müde vielen die beiden dann auch zeitig ins Bett.

Am Sonntag hatte sich an den Bedingungen nur wenig geändert. Nur der Wind war etwas stärker als am Vortag und blies immer noch aus Ost. Der erste Start sollte um 10 Uhr erfolgen. Max nahm sich vor seinen Platz zu verteidigen. Dies war nicht ganz einfach, denn er war der Gejagte. Doch Max ließ sich nicht beeindrucken und fuhr gleich in der ersten Tageswettfahrt den 1.Platz, den er sich hart erkämpfen musste. Antonia kam mit dem stärkeren Wind nicht ganz so gut zurecht und wurde nach einem schlechten Start 46. Aber es gab ja noch eine Wettfahrt und das schlechteste Resultat wird ja gestrichen. So galt es noch mal alles zu versuchen um eine Top 20 Platzierung nicht aus den Augen zu verlieren. Für Max war die Sache da schon klarer. Ein Platz unter den ersten fünf würde ihm auf jeden Fall zum Gesamtsieg reichen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich wohl nervöser als die Kinder war. Aber das ließ ich mir natürlich nicht anmerken. Max legte völlig cool einen super Start hin und führte an der ersten Tonne das Feld an. Auch Antonia war gut dabei und lag auf Platz 21. Doch leider kenterte sie im Laufe der Wettfahrt und wurde nur 50. Damit waren alle Hoffnungen auf eine sehr gute Platzierung dahin. Max dagegen hatte hart zu kämpfen um seine Führung zu behaupten. Aber auf der zweiten Kreuz mobilisierte er alle Kraftreserven und fuhr einen anständigen Vorsprung heraus, den er sich bis zum Ziel nicht mehr nehmen ließ. Völlig erschöpft aber überglücklich überquerte er die Ziellinie unter Applaus der Wettfahrtleitung und der anderen Trainer. Er hatte soeben seinen bisher größten Erfolg eingefahren und einen Hattrick geschafft, drei Regatten hintereinander gewonnen…

Am Ende kam Antonia auf Platz 30 von 92 gestarteten Booten und verfehlte damit eine Top 20 Platzierung nur knapp. Dennoch hatte sie bewiesen dass sie in einem so stark besetzten Feld auch vorne mitfahren kann. Max gewann am Ende sehr souverän mit 11 Punkten Vorsprung vor dem Zweitplatzierten, dass auf der Siegerehrung noch besonders hervorgehoben wurde. Er bekam insgesamt 4 Preise. Nur den Wanderpokal in Form eines Silbernen Optis durfte er nicht mit nach Hause nehmen. Dieser bleibt mit seinem Namensschild versehen im Vitrinenschrank des Veranstalters (TSV Schilksee) in Kiel. Dafür gab es ein schönes Optihalbmodell mit nach Hause.
Insgesamt war dies ein sehr erfolgreiches aber auch beeindruckendes Wochenende bei perfektem Segelwetter, dass gezeigt hat das Antonia und Max sehr viel im Frühjahrstraining am Comer See aber auch in den vergangenen Trainingseinheiten gelernt haben. Ein Dank geht natürlich noch an Birgit Kühne (Antonias Mutti), die uns und unseren Hänger nach Kiel fuhr und die Landbetreuung übernahm. Ich hoffe das die beiden dies in den nächsten Regatten bestätigen können und Max auch in Opti A an diese Leistungen anknüpfen wird.

Tim Schimanski

 
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nehmen Sie bitte zum Fotografen Uwe Paesler über den RSC 92 Kontakt auf.
 

© Redaktion Rostock-Sport