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Otto Schwank
Häufig, wenn man unseren alten Bootsschuppen betrat, zog ein ganz besonderer Duft durch die Halle. Man wußte dann sofort, daß irgendwo Otto mit brennender Pfeife herumwuselte. Diese Pfeife war sein Markenzeichen, das ihn bis zu seinem plötzlichen Tod begleitet hat. Der RSC 92 verliert mit Otto Schwank ein Mitglied, das im Verlauf seiner langen Mitgliedschaft viel für den Verein geleistet hat. So war Ottos Rat und seine fachliche Kompetenz bei vielen Sportsfreunden geschätzt. Als es zu Beginn der 90er Jahre zu schwerwiegenden Differenzen der Sektion Segeln mit dem übergeordneten Verein SHR kam, war Otto Schwank einer der Gründungsmitglieder unseres jetzigen Vereins RSC 92. In seinem beruflichen Leben war Otto bis 1990 mit Engagement in der VVB Schiffbau der DDR tätig. Hierdurch war er schon in den 60er Jahren mit Prof. Werner Gilde in Kontakt gekommen, der in dem damaligen Zentralinstitut für Schweißtechnik Halle auch mit der Verarbeitung von Kunststoffen beschäftigt war. Zusammen mit Prof. Gilde und zwei weiteren Sportsfreunden begann dann 1968 der Bau der ersten Segelyachten in der DDR aus den neuen Materialien Kunstharz und Glas in Ferdinandshof. Otto gehört somit zu den Pionieren des Kunststoffbootsbaus in der DDR. Durch diesen Bau sammelte Otto einen umfangreichen Schatz an Erfahrungen und Fertigkeiten, die er dann in der Folgezeit immer weiter vermittelte an alle, die sich um einen Rat an ihn wandten. 1970 wurde dann der fertige Rumpf der „Moby Dick“ nach Rostock gebracht, weiter ausgebaut und 1972 in Dienst gestellt. Um zu der damaligen Zeit auf See segeln zu können, gab es eigentlich nur eine Möglichkeit: Teilnahme an den DDR-Seesegelmeisterschaften. Otto Schwank nahm mit seiner Yacht „Moby Dick“ viele Jahre mit Erfolg teil. „Moby Dick“ gehörte immer zur Spitze der Klasse IV, gewann u.a. 1980 die Meisterschaft. Anfang der 80er Jahre reiften dann bei Otto die Gedanken zum Bau eines neuen Bootes, einer Hiddensee. Da ich zur gleichen Zeit mit dieser Idee spielte, wurden wir bald einig, dieses Unternehmen gemeinsam anzugehen. Nach umfangreichen Vorbereitungen – Beschaffung der Form, Materialbeschaffung, Bauplatz, etc. – wurden dann im April 1983 an zwei Wochenenden zwei Rümpfe abgeformt. Bei diesem Unternehmen habe ich von Otto viel gelernt. Als 1990 das neue Boot, die „Selfmade“, fertig war, erschlossen sich für Otto und seine Frau Lilo ganz neue Dimensionen des Segelns. So wurden dann in den folgenden Jahren Törns in den Limfjord und von Skagen bis nach Turku unternommen. Zweimal war auch die Passage des Götakanals dabei. Monatelang waren beide häufig unterwegs bis dann vor einigen Jahren Ottos Gesundheit seinem Hobby Segeln ein Ende setzte. Die von ihm mit viel Engagement gebaute und gesegelte „Selfmade“ wurde an seine Kinder weitergegeben und ist so nach seinem Tod dem RSC 92 erhalten geblieben. Wenn er auch nicht mehr selbst segelte, so war doch sein Interesse für den Verein immer noch da. In gewissen Zeitabständen besuchte er immer wieder mal das Hafengelände, machte seine Runde, sah nach der „Selfmade“ und war dann wieder weg. Der RSC 92 hat mit Otto Schwank ein verdienstvolles Mitglied verloren, an das wir uns gern erinnern werden. PG |