Eine Reise in den Norden mit der Ingorata

Der Segelurlaub 2008 sollte was besonderes werden und so machten wir uns auf nach Oslo. 430 sm bis dahin sind nicht gerade ein Pappenstiel, wenn man dafür nur 2 ½ Wochen Zeit hat. Also früh aufgestanden und den Wind aus der richtigen Richtung und Stärke bestellen und schon passt es – sprich Halbwind mit sechs Windstärken. Und so schafften wir am ersten Tag schon Hesingör. Das war ein schöner Ritt mit zeitweise 11 kn und viel Wasser an Deck.

Schon am nächsten Tag ging es weiter nach Halmstad - unser erster schwedischer Hafen. Kurz vor dem Hafen ein Stopp zum Angeln. Makrelen, Heringe und ein Kinderdorsch waren die Beute. Im Hafen wurde gleich der Grill angeschmissen, ein kurzes Bierchen und ab ging es in die Falle.
Weiter segelten wir entlang der schwedischen Küste. Unser nächster Hafen sollte Göteborg sein und es wurde eine sehr, sehr schöne Nachtschicht. Die Fahrt bei Nacht durch die Schären war sehr anspruchsvoll aber dank des Seekartenplotters und guter Seekarten gut zu meistern. Um zwei Uhr flogen nach dem zweiten Versuch die Festmacher an Land (starker Strom im Fluss) – Feierabend!
Der nächste Tag wurde als Ruhetag ausgeschrieben und so ging es in die City, einkaufen, Postkarten besorgen, Fotos schießen und hübschen Mädchen nachsehen. Göteborg ist die Industriehauptstadt Schwedens und hat auch die besten Einkaufsmöglichkeiten des Landes. Es ist also gefährlich, die eigene Frau mit der goldenen Ameriken Express Karte an Land zu lassen. Schön anzusehen ist das schwimmende Schifffahrtsmuseum, das Theater am Wasser und die große grüne Hängebrücke. Am Abend gab es dann lecker Essen – Rouladen mit Rotkohl und Kartoffeln.
Wieder früh aufstehen war angesagt, denn unser nächstes Ziel sollte Kungsham sein. Segeln war leider an diesem Tag nicht möglich – Windstärke zwei und dann noch von vorne – mmmh.
Die Schären am Tage – ein Gedicht – die Schweden haben es gut – jeder Schwede hat seine Insel. Man merkt es ganz schön auf dem Wasser - ein Verkehr! Vorbei ging es an dem hübschen und unter Seglern sehr bekannten Ort Marstand, wo gleichzeitig drei Regatten stattfanden.
Wir schafften den Hafen Kungsham noch vor Sonnenuntergang und konnten so noch einen kleinen Stadtspaziergang machen. Für ein paar Bier machen die Schweden alles und so konnten wir ein paar Makrelen eintauschen. Frisches Brot mit Butter und gegrillten Makrelen – lecker!
Ein Highlight unserer Reise sollte am nächsten Tag die Fahrt durch den Sotenkanal werden. Der Kanal ist an manchen Stellen fast nur so breit wie die Ingorata und so ging es manchmal sehr eng zu. Witzig – ein Schild, welches vor fliegenden Golfbällen warnte und ein Haus, das man erst beim zweitem Hinsehen als Haus erkannte.
Nach der Durchfahrt machten wir erstmal einen Badestopp, der zum Reinigen des Unterwasserschiffes genutzt wurde. Jede Menge Muscheln wurden gekratzt und als Belohnung fuhr das Schiff einen Knoten schneller. Die Boote mit der norwegischen Flagge am Heck wurden immer zahlreicher und nach einem sehr langen Tage mit Nachtschicht erreichten wir den ersten norwegischen Hafen im Oslofjord – Moss. Schon von weitem wird man durch eine sehr hohe Wasserfontäne begrüßt. Am nächsten Tag wollten wir durch eine Brücke in der Stadt fahren und so machten wir uns schlau, wann die Brücke aufgeht. Keine Öffnungszeiten angeschlagen, kein Brückenwärter da und die Straße über die Brücke war glatt und ohne Spalte im Belag – die Brücke macht schon seit Jahren nicht mehr auf. Was hilfts – auf nach Oslo ! Aber wir waren beim Ablegen so schnell, dass wir Klaus beinahe vergessen haben. Der Tag war einer der schönsten der Reise. Bei herrlichsten Sonnenschein und blauem Himmel fuhren wir den Oslofjord lang. Ein toller Anblick! Eine schöne Landschaft mit hunderten kleinen und großen Häusern, die alle eine unverbaubare Aussicht auf das Wasser und die Schiffe haben. Es war Wochenende und ganz Norwegen trieb sich am und auf dem Wasser herum. EinVerkehr wie auf einem Hayway in New York.
Nach der letzten Kurve tauchte Oslo vor uns auf. Eine schöne Stadt mit Skischanze (Holmenkollen) und ohne Hochhäuser. Noch ein kurzer Tankstopp und dann machten wir im Stadthafen fest. Wir hatten den schönsten Liegeplatz in Oslo. Im Schatten einer alten Burg und der Aussicht auf das Rathaus von Oslo. Jeder wollte sofort an Land und die Stadt erobern.
Genau das machten wir auch, also duschen, schicke Sachen an und ab auf die Piste. Man merkt sofort, dass Oslo eine Hauptstadt ist und die Skandinavier und die Norweger viel Geld haben. Wenn sie was bauen, dann soll es auch vom feinsten sein.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir damit die Stadt zu erkunden. Das Schloss und das Theater sind sowieso ein Muss. Besonders hat es uns ein Stadtteil angetan der aus einem alten Werftgelände Entstand. Schick – überall Wasserspiele, Skulpturen, Wohnungen und Büros. Alles erlebbar und anfassbar. Da kann sich Rostock so einiges abluschern.
Ja, nach drei Tagen Oslo ging es wieder zurück in Richtung Süden. Unsere nächsten Stadionen waren Strömstad, Halsö, Varberg und Helsingborg. In Helsingborg stiegen dann drei neue Besatzungsmitglieder auf. In Malmö war wieder Ruhetag angesagt und so machten wir in einem neuen Hafenbecken fest. Dieses Hafenbecken war mal ein altes Dock und noch nicht in den Seekarten eingezeichnet. Unser Versuch auf den Torrtower zu kommen scheiterte schon an der Rezeption. Der Torrtower ist ein neues Wahrzeichen von Malmö. Drum herum ist ein schönes kleines Stadtgebiet gebaut worden und es wird von den Bewohnern Malmös sehr gut angenommen. Es gibt da auch das beste Eis unserer Reise (bitte nicht weitersagen, sonst ist die Schlange davor noch länger). Flakfortet, eine kleine Festunginsel auf dem Weg nach Kopenhagen war einen kleinen Zwischenstopp wert. Einmal rumströbern in den Katakomben musste sein.
Am Abend machten wir dann in Kopenhagen fest. Den nächsten Tag verbrachten wir damit, uns in der Stadt umzusehen und tausende von Fotos zu schießen. Wachwechsel am Königschloss und Pölseressen waren Pflichtveranstaltungen.
Die nächste Etappe sollte von Kopenhagen nach Klindholm gehen, aber manchmal kommt es anders als man denkt. Ansagte 5-6 aus West bei einem Süd Kurs kann der Ingorata nur Recht sein. Aber der Wind legte noch ordentlich drauf. Die 7 übersprang er und so wurde aus der 8 eine 9 bis 10. Das war fett! Das arme Schiff - schnell ab in den nächsten Hafen. Rödvig lag nur 4 sm von uns entfernt, aber 4 Meilen können bei der Welle und Wind gegen an ganz schön lange dauern. Das Schiff tauchte manchmal bis zur Ankerwinsch ein und die Gisch spritzte bis zur Saling. Anschnallen und Schwimmweste anlegen war Pflicht. An Bord war schon längst alles nass und die Ingorata sah im Hafen aus wie ein schwimmender Wäschetrockner.
Aber es ist alles gut gegangen und das Schiff ist heil geblieben.
Am nächsten Tag beruhigte sich die Luft und wir konnten am Nachmittag ablegen. Eine schöne sternklare Nacht mit vielen Sternschnuppen machte die Überfahrt nach Rostock zu einem unvergesslichen Erlebnis.
846 sm und 2 ½ Wochenlang dauerte diese Reise. Drei Länder haben wir bereist und sehr viel gesehen. Oslo ist immer eine Reise wert und wie heißt es so schön – der Weg ist das Ziel.

Andreas Wenndorf

© Redaktion Rostock-Sport