|
Dreitägige Etappenfahrt zum 35. Jahrestag der „Hiddensee“-KlasseMit Vierteltonner „Hiddensee“ rund um HiddenseeStralsund. Gastgeber und Organisator von „Rund um Hiddensee“ Ingo Brandt schaut optimistisch in den Himmel. Es ist trocken bei einer Temperatur um die 20 Grad und eine leichte Briese aus Südwest bis West schiebt lockere Wolken über den Kleinen Dähnolm im Strelasund. Die vom gleichnamigen Stralsunder Yachtclub organisierte Etappenfahrt hat gute Bedingungen und ein ordentliches Teilnehmerfeld. Man wollte im 35. Jahr des Bestehens der Vierteltonner-Segler vom Typ „Hiddensee“ auch 35 Boote für die kleine Wettfahrt an den Start bekommen. Insgesamt waren es dann sogar 39 stolze Segler, die mit ihren Besatzungen am Freitagabend zunächst nach Neundorf segelten, dann am Sonnabend den Törn um die Insel, die der Bootsklasse den Namen verlieh, zurücklegten und zum Abschluss am Sonntag noch einen Kurs vor der Hansestadt absolvierten, bevor stürmische Gewitterböen den Strelasund erreichten. Schon Tage zuvor hatte Frank Schuberth vom Rostocker Segelverein City-Boothafen (RSC 92) an Ingo Brandt gemailt: „Der RSC kommt mit 8 Booten und aus Rostock weiß ich noch von einem Boot.“ Am Ende hatte dann eine kleine Armada von 15 Rostocker Booten der Hiddensee-Klasse Segel gesetzt, um den 35. Geburtstag der Vierteltonner mitzufeiern. Unter ihnen auch die „HIDDENSEE I“ unter Skipper Walter Loos, der Anfang der siebziger Jahre federführend an der Konstruktion des über 8 Meter langen und fast 3 Meter breiten Bootes beteiligt war. Der Bund deutscher Segler der DDR gab dem Konstrukteur und seiner Crew den Auftrag, ein Boot zu entwickeln, das dann in den Vereinen selbst gebaut werden konnte. Es entstand eine Rohschale, die dann mit glasfaserverstärktem Kunststoff gefüllt und dann mit entsprechendem Harz vergossen wurde. So entstand ein damals sehr modernes Boot, das einen einheitlichen Rumpf und ein einheitliches Deck hatte; aber von den Erbauern sehr individuell gestaltet werden konnte. „Dabei waren nicht nur Ideen und Selbstverwirklichung gefragt“, erinnert sich Frank Schuberth. „Man musste viel, sehr viel Zeit aufbringen und auch erfinderisch sein, um alle anderen erforderlichen Teile zu bekommen.“ Der Steuermann der Rostocker Yacht „KALKEI“ kann da etliche Geschichten erzählen. Unter anderem die, das die Oma eines Seglers von ihrer Westreise Originalbeschläge illegal mitbrachte, die dann nachgebaut wurden, um damit interessierten Bootsbauer zu versorgen. „Immerhin entstanden mehr als 500 solcher Segelboote. Man spricht sogar von der Dunkelziffer 800, die dann entlang der Ostseeküste und auf den Binnenseen mit einer Segelfläche von 24 Quadratmeter das Bild bestimmten und heute auch noch mitbestimmen.“ Über 250 „Hiddensee“ sind gegenwärtig im offiziellen Yachtregister eingetragen, aber rund 500 dieser robusten Boote, mit der sogar eine Weltumseglung versucht wurde, schippern wohl heute noch auf den Gewässern zwischen Ostsee und Senftenberger See in der Niederlausitz oder anderswo. Viele Geschichten können die Vierteltonner-Segler erzählen. Sie machten auch bei der zünftigen Geburtstagsfeier am vergangenen Sonnabendabend in Neundorf auf Hiddensee wieder die Runde. Frank Schubert denkt da gerne an seinem Sieg bei „Rund um Bornholm“ zurück. „Auf einem Ritt in knapp 75 Stunden. Schon zur Ostseewoche in der DDR gab es diesen Törn. Als dann aber zunehmend Besatzungsmitglieder unterwegs abstiegen oder gar ganze Besatzungen nicht mehr in den Heimathafen zurückkehrten, war Schluss mit dieser Regatta. Erst noch der Wende wurde sie wiederbelebt. Und es ist schon ein schönes Gefühl, hier mal zu gewinnen.“ Ungern erinnert sich der 39jährige Skipper an einen Ruderbruch bei rauer See sechs Meilen nordöstlich vor Kap Arkona. Jeder der Schiffsführer konnte am Sonnabendabend in feuchtfröhlicher Runde seine Geschichte beisteuern. Zur fortgeschnittener Zeit wurde es aber immer schwerer, Wahres und Seemannsgarn auseinander zu halten. Letztlich ist Cheforganisator Jörg Brand auch wieder mit dem diesjährigen Törn „Rund um Hiddensee“ zufrieden. Er konnte als Sieger bei den Groß-Riggs die Besatzung der „KEA“ unter Skipper Andreas Wenndorf vom RSC 92 ehren. Sein Vereinskollege Frank Schuberth kam mit „KALKEI“ auf Platz 1 bei den Original-Riggs ein. Wirklich ein starkes Ergebnis für die Rostocker „Hiddensee“-Segler. Man wird sich in dieser Segelsaison bestimmt noch öfter treffen, so schon bei der bevorstehenden Warnemünder Woche, der Hanse Sail Anfang August und dann bei der Senatorenregatta am 3. Oktober zum Saisonende. |