Aufbruch zu neuen Ufern - Neues Fanprojekt stellt sich vor

Nico Stroech:
Projektleiter Fanprojekt

Es muss an dem Mikrokosmos Rostock liegen, dass positive Bestrebungen nur sehr zögerlich, oder gar nicht ans Tageslicht kommen. Besonders in Zusammenhang mit der Fanszene des FC Hansa Rostock, sind es dann doch eher die Negativschlagzeilen, die sich über Funk, Fernsehen und die Printmedien verbreiten. Letztenendes trug dies dazu bei, dass den Fans des FC Hansa ein mehr als zweifelhafter Ruf vorauseilt, und leider gibt es in unregelmäßigen Abständen Vorfälle, die die Mehrheit der friedliebenden und leidenschaftlichen Fans in Misskredit bringen.

Die jüngsten Vorfälle im dänischen Naestved prägen noch immer die Diskussionen innerhalb der Szene, innerhalb des Vereins und bei denjenigen, denen der Verein FC Hansa Rostock am Herzen liegt. Mehrere Fragen werfen sich auf, unter anderem, wie man so eine Eskalation hätte verhindern können und wie man den angerichteten Schaden, der über zerstörte Wurststände hinausgeht, behebt. Wie ist der Blick in die Zukunft, welche Schlüsse müssen gezogen werden?

Es ist fast immer eine kleine Zahl von Personen, die eine Bühne für ihre Zerstörungswut suchen  und sich über geltende Gesetze und Anstand hinwegsetzen. In diesen Augenblicken zählt weder das Ansehen der Fanszene insgesamt, noch der Schaden, den alle beteiligten Parteien davon tragen könnten.

Vieles ist in den letzten Jahren an Fanarbeit verpasst worden, die Hansafans waren sich selbst und neuen Stadionsverbotsregularien ausgesetzt. Es fehlte ein Sprachrohr, eine Institution, die sich auch ausgesperrten Fans widmete und ihnen zuhörte, die Probleme und Ursachen für verhängte Stadionverbote hinterfragte und an Lösungen arbeitet. Nicht selten kam es vor, dass Stadionverbote zu unrecht verhängt wurden. Ein Phänomen, das bundesweit immer wieder für Kontroversen sorgt und nicht exklusiv in Rostock zu finden ist.

Es fehlte ein sozialpädagogisches Fanprojekt mit mehrdimensionalen Strukturen, ein Fanprojekt, dass auf Fan- und Vereinsseite anerkannt ist, und zeitgemäße Lösungen erarbeitet, die für alle zufriedenstellend sind.

Dieses Fanprojekt ist nun durch die AWO finaziert in Rostock entstanden und stellte sich gestern erstmals im Rahmen einer Podiumsdiskussion vor. Anwesend waren der Projektleiter Nico Stroech, Fanvertreter und Fanbeiratsmitglieder, sowie der Fanbeauftragte Axel Klingbeil. Circa 100 Fans nutzten die Gelegenheit, um den Ausführungen der Personen zu lauschen und gegebenenfalls Fragen zu stellen.

Nico Stroech:
Projektleiter Fanprojekt
Susanne Binsch:
Mitarbeiterin Fanprojekt
AWO Sozialdienst Rostock gGmbH
Fanprojekt Rostock
Tschaikowskistr. 43
18069 Rostock
Tel.: 0381 - 85 79 30 9
Fax:  0381 - 85 79 30 8

Seit November 2007 ist das Fanprojekt aktiv und dabei, eine wirkungsvolle Infrastruktur aufzubauen. Erste Erfolge und vertrauensbildende Maßnahmen wurden bereits erzielt, die Akzeptanz in der Fanszene entwickelt sich, und löst sich bereits von Vorurteilen und Misstrauen. In Zusammenarbeit mit der Fanszene Rostock e.V. und dem Vorsitzenden Joachim Fischer werden Gespräche mit Fans, dem Verein und der Polizei geführt und Lösungsstrategien entwickelt. Eine Sache steht dabei im Vordergrund: die Perspektive. Es muss  allen Fans, auch denen, die nicht leicht zu erreichen sind und als problematisch gelten, und denen der Verein und der Sport nach wie vor am Herzen liegt, eine Perspektive geboten werden. Eine Perspektive, die in den letzten Jahren immer weiter in den Hintergrund trat und nicht mehr möglich schien.

„Es wird sicherlich noch eine Zeit dauern, bis alles optimal funktioniert und läuft. Es gibt zuviele Baustellen in Rostock“, so der Vorsitzende der Fanszene Rostock e.V., Joachim Fischer.

Insgesamt fand das Fanprojekt Rostock einen guten Start in die Fanszene und in die Stadt Rostock, und erste Kräfte konnten bereits gebündelt werden.

Das Pokalspiel am kommenden Samtag in Kiel ist aufgrund der Vorfälle in den Fokus der für Sicherheit verantwortlichen Personen geraten und es ist tragisch, dass sportliche Dinge Sicherheitsfragen hintenanstehen müssen.

Es ist aber gut zu wissen, dass selbst im Mikrokosmos Rostock positive Bestrebungen im Gange sind, sodaß in Zukunft die Negativschlagzeilen der Vergangenheit angehören können, wenn alle Zusammenarbeiten. Der Grundstein wurde gelegt.

Christian Falkenberg 


© Redaktion Rostock-Sport