Im Fokus: Das 56.Neptun-Schwimmfest in Rostock und die Situation im Schwimmsport in Rostock und in M-V allgemein / Nachgefragt bei Thomas Wolf (SV Olympia Rostock)

Schwimmen und Rostock – das ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. 1960 gewann Bärbel Fuhrmann, verheiratete von Fircks, die erste Olympia-Schwimm-Medaille für Rostock. Es gab seinerzeit Bronze mit der Lagenstaffel. Große Namen, wie Frank Wiegand, Egon Henninger, Klaus Katzur, Caren Metschuck, Sarina Hülsenbeck, Nils Rudolph, Regina Rudolph geb. Dittmann, Peggy Büchse, u.v.a. Erfolgs-Asse folgten – bis hin zum letzten WM-Langstrecken-Gold von Britta Kamrau 2007.

In diesem Jahr beeindruckte Antje Mahn, Tochter von Caren Metschuck-Mahn, mit Platz fünf beim Langstrecken-Schwimmen der Sommer-Universiade.

Aber es gibt weitere junge Schwimm-Talente in der Hansestadt, die bald (vom 28. bis 30.10.2011) wieder ein traditionsreiches Schwimmfest austrägt …

„Richtige Erfolge stellen sich nur bei optimalen und abgesicherten Bedingungen über viele Jahre ein …“

Nachgefragt beim Pressewart vom SV Olympia Rostock e.V., Thomas Wolf

Frage: Rostock und Schwimmen – das waren immer große sportliche Erfolgsstunden. Wie sieht die Situation zurzeit – gerade beim Nachwuchs – aus?

Thomas Wolf: Es gibt einige Vereine, die intensiv den Schwimmsport betreiben, dabei schon vom Vorschulalter beginnend, eine kontinuierliche Entwicklung der Kinder anstreben, planen und verwirklichen. Dennoch können wir nur bedingt zufrieden sein, denn in den letzten Jahren haben es leider nur sehr wenige auf ein (deutsches) Spitzenniveau geschafft.

Solange die Aktiven in Rostock waren, die Schule besuchten, waren die mit zunehmendem Lebensalter steigenden Trainingsanforderungen und Wettkampffahrten zu schultern. Dann aber wurde es regelmäßig schwierig. Wer eine Lehre anfing oder ein Studium, später dann zum Bund ging oder gar in eine andere Stadt, hatte einfach nicht mehr die Zeit, um noch weiter voran zu kommen.

Bei Meisterschaften im Jugendbereich standen dennoch immer wieder Schwimmer vom SC Empor 2000 oder vom SV Olympia auf dem Treppchen.

Wir sind insofern optimistisch, da sich das Schwimmen als Grundsportart in einer Stadt am Meer etabliert hat, der Zulauf überdurchschnittlich ist und auf dieser breiten Basis und mit engagierter Arbeit der Trainer in den Vereinen Talente früh erkannt und kontinuierlich gefördert werden können.

Auch wenn die Rahmenbedingungen - Sportschulsituation, Trainingsmöglichkeiten - noch immer nicht optimal sind.
Zudem ist positiv zu bemerken, dass SportlerInnen mit einer soliden Schwimmausbildung oft auch nach einigen Jahren wechseln und in artverwandten Sportarten, wie Triathlon, Tauchen, Flossenschwimmen, Wasserball, Rettungsschwimmen, zu deutlichen Erfolgen kommen.

Frage: Auch aus Schwerin kamen stets sehr erfolgreiche Schwimmerinnen, wie Rosemarie Gabriel oder Andrea Pollack. Wie beurteilen Sie die Situation im Schwimmsport in ganz M-V? Wann wird es wieder eine Olympionikin und einen Olympioniken „Made in M-V“ im Schwimmsport geben?

Thomas Wolf: Das wird - realistisch betrachtet - noch etwas dauern. Obwohl man in Schwerin, Neubrandenburg, Stralsund, Wismar oder Greifswald, um nur einmal die Hochburgen des Schwimmens zu nennen, ebenfalls gute, ausdauernde und fundierte Arbeit leistet.

Zwar ist Schwimmen eine Einzelsportart, aber überragende, also olympiareife Leistungen wachsen nur in einem funktionierenden, leistungsstarken Team mit optimalen Rahmenbedingungen. Da ist M-V leider als vergleichsweise dünn besiedeltes Flächenland, auch auf Sponsoren bezogen, nicht vorn dabei.
Aber, Hoffnung besteht immer. Überraschungen sind ein klein wenig planbar...

Frage: Vom 28. bis 30.Oktober findet das 56.Neptun-Schwimmfest in Rostock statt. Wie ist dort der Stand der Vorbereitungen? Wie viele Schwimmerinnen und Schwimmer aus wie vielen Vereinen erwarten Sie?

Thomas Wolf: Nach dem Rekordjahr 2010 werden wir diese Zahlen fast wieder erreichen. Obwohl fast ganz Schleswig-Holstein leider fehlen wird - sie tragen zeitgleich Meisterschaften auf der Kurzbahn aus - haben wir die Meldungen von 36 Vereinen, das heißt, es werden circa 320 SportlerInnen hier sein. Worüber wir uns sehr freuen.

International werden wir Gäste aus Lettland, den Niederlanden und Südafrika begrüßen. Bei letzteren handelt es sich um keinen geringeren als Gerhardus Zandberg, mehrfacher Weltmeisterschaftsteilnehmer und Gewinner über 50 Rücken 2007 in Melbourne, der sich derzeit in Deutschland aufhält und trainiert.

Auch Yannick Lebherz aus Darmstadt hat gemeldet, der 2010 EM-Teilnehmer in Budapest (Langbahn) und Eindhoven (Kurzbahn / hier zwei Medaillen) war.

Die Vorbereitungen sind im grünen Bereich. Organisationschef Andreas Feldmann und sein Team leisten hervorragende Arbeit. Ein Rädchen greift ins andere und so dürfen sich alle Beteiligten und Gäste, auch dank der Unterstützung durch die Hansestadt und zahlreiche Sponsoren, auf tolle, spannungsgeladene, stimmungsvolle Tage in der schicken Rostocker Neptunschwimmhalle freuen.

Frage: Bei den WM 2011 lief es nicht sonderlich gut für die deutschen Becken-SchwimmerInnen. Hoffen Sie auf eine Trendwende im Hinblick auf London 2012? Was läuft bei Amerikanern, Chinesen, Brasilianern, Briten oder Australiern besser als bei uns?

Thomas Wolf: Abgerechnet wird nach London. Ich denke nicht, dass sich der deutsche Schwimmsport dann verstecken muss. Es gibt genügend Potenzial bei den aktuell Aktiven. Und ein Trend, gemeint ist sicher ein negativer, ist nicht auszumachen. 2011 war eine Momentaufnahme.

Die Deutschen sind für akribische Vorbereitung bekannt und machen auch Fehler bekanntlich kaum zweimal. So gesehen, war es sicher zwar ärgerlich, aber nicht ganz verkehrt, dass 2011 nicht alle Trümpfe ausgereizt wurden bzw. werden konnten.

Und junge, hoffnungsvolle Nachwuchsathleten drängen nach vorn. Natürlich wird auch bei den anderen Nationen geklotzt. Das ist gut so, denn daraus entwickeln sich dann die faszinierenden Duelle im olympischen Becken.

Frage: Müsste der Schwimmsport nicht noch stärker in den Schulsport integriert werden?

Thomas Wolf: Selbstverständlich. Jedes Kind sollte mindestens ein Jahr Schwimmtraining während des Schulsports genießen können, von mir aus auch auf mehrere Jahre in Blöcken verteilt.

Aber versuchen Sie das einmal mit und bei der bestehenden Infrastruktur. Da werden schon starke Anstrengungen in den Kommunen unternommen, um das wenigstens teilweise möglich zu machen.

Wir brauchen mehr (überdachte), auf kurzen Wegen erreichbare Wasserfläche. Und das nicht nur für den Schulsport. Wie am Anfang gesagt: Richtige Erfolge stellen sich nur bei optimalen und abgesicherten Bedingungen über viele Jahre ein.

Dann weiterhin maximale Erfolge – insbesondere auch mit dem 56.Neptun-Schwimmfest!

Weitere Infos unter: www.olympia-ev.de .

dmm

© Redaktion Rostock-Sport