Tim Pyritz und Kieu Duong erfolgreich bei den YOG in Singapur
Die beiden Wasserspringer aus Rostock und Berlin waren die Athleten, die zusammen mit Trainerin Monika Dietrich nach erfolgreicher internationaler Qualifikation an den ersten Olympischen Spielen der Jugend in Singapur im Kunst-und Turmspringen teilnahmen.
In einer sensationellen Eröffnungsfeier wurden die Spiele wie bei den „ Großen „ mit dem gesamten traditionellen Prozedere eröffnet. Als das olympische Feuer über das Wasser den Weg zum Leuchtturm fand und dort erstrahlte, bekam auch der letzte coole Teilnehmer Gänsehaut. Die Teilnehmer der Spiele wurden mit einer tollen Party vor der Skyline von Singapur mit genialen Darbietungen junger Künstler und einem großen Feuerwerk auf die bevorstehenden Wettkämpfe eingestimmt.
Für Kieu Duong war die Eröffnungsfeier ein besonderes Erlebnis. Sie war die Fahnenträgerin der deutschen Mannschaft. Eine große Ehre für sie und das Wasserspringen!
Die YOG waren eine gelungene Mixtur aus sportlichem Miteinander und Gegeneinander und aus dem Praktizieren des Olympischen Gedankens.
Zwölf Tage lang traf sich die Jugend der Welt, bekam einen Vorgeschmack auf große Olympische Spiele , konnte im großen Freizeitprogramm andere Kulturen kennen lernen, andere Sportarten betreiben , verschiedene Wettkämpfe verfolgen und ein wenig von der Stadt sehen.
Wie üblich bei Olympischen Spielen wohnten die Teilnehmer im olympischen Dorf. Dieses befand sich im größten Universitätsgelände von Singapur.
Die Wasserspringer hatten zu ihrer Trainings-und Wettkampfstätte je nach Stau auf den Straßen 30-50 Minuten Fahrzeit vom Dorf aus einzuplanen. Auch das kennt man zum Teil von großen Olympischen Spielen.
Die Wassersprungwettbewerbe fanden in der zweiten Woche der Spiele statt. Bis dahin musste, obwohl die Teilnehmerzahl begrenzt war, in vorgegebenen Gruppen trainiert werden. Das eigentliche Wettkampfgefühl kam bei vielen Sportlern nicht auf. Die gesamte Konkurrenz war nicht zu sehen und ein Wechsel in den Gruppen nicht erlaubt.
Interessant waren die Trainingseinheiten in den Abendstunden. Training im Freibecken ist für die meisten Wasserspringer auf Grund der fehlenden Bedingungen schon ein Fremdwort aber Wettkampf unter Flutlichtbedingungen hatte noch niemand absolviert. Nach der ersten Trainingseinheit waren alle begeistert. Die Luft war abends viel angenehmer und das Trainieren viel leichter. Die Befürchtungen, sich unter den Flutlichtbedingungen nicht so gut orientieren zu können, waren völlig weg. Ganz im Gegenteil, Kieu konnte sich unter Flutlichtbedingungen und dem Wechsel zwischen dunklem Himmel und hellem Wasser besser orientieren als im olympischen Dorf oder im Training in den Mittagsstunden bei grellem Sonnenlicht.
Im ersten Wettkampf der Wasserspringer, dem Turmspringen der Mädchen Jugend A, ging Kieu Duong an den Start. Sie musste ein schweres Programm absolvieren, denn bei den YOG waren nur Sprünge vom Zehner erlaubt. Taktisch klug hatte sich die Sportlerin ihre Kräfte eingeteilt und alles in die Pflicht des Vorkampfes und die Kür des Finals gelegt. In einem tollen Wettkampf kam sie als Zehnte des Vorkampfes im Finale auf Rang fünf. Den Wettbewerb gewann Liu Jiao aus China vor Pandelela Pamg ( MAS ). Dritte wurde SIN Ji Hyang ( PRK ).
Tag zwei der Wassersprungwettbewerbe brachte im Kunstspringen der jungen Männer 15 Teilnehmer an den Start.
Tim Pyritz überraschte mit sensationellen 230 Punkten in der Pflicht und wurde Pflichtbester. Mit dieser Punktzahl startete er ins Finale der besten Zwölf. Mit Platz sechs erfüllte er nach viel Verletzungspech in der Vorbereitung die an ihn gestellten Erwartungen und sicherte sich den noch unbesetzten zweiten Startplatz bei den JWM. Die Medaillen gingen an Qiu Bo ( CHN ), Oleksandr Bondar ( UKR ) und Michael Hixon ( USA ).
Kieu Duong hatte wie Tim Pyritz vierzehn Tage vor den Spielen überraschend das Angebot von der FINA bekommen, auch im Kunstspringen starten zu können. Lange Vorbereitungszeit hatte sie also nicht. Nach tollem Einspringen vor dem Wettkampf war die Sportlerin plötzlich im Wettbewerb verunsichert. Die Pflicht, die so wichtig ist weil sie mit ins Finale übernommen wird, gelang einfach nicht. Mit toller Aufholjagd in der Kür des Finalwettkampfes ersprang die kleine Berlinerin, die inzwischen die Herzen vieler Wasserspringerfans erobert hatte, einen guten siebten Platz. Gold und Silber gingen wie vom Turm an die Chinesin Liu Jiao und Pandelela Pamg ( MAS ). Bronze gewann die Ukrainerin Viktoriya Potyekhina.
Am letzten Wettkampftag der Wasserspringer fand das Turmspringen der männlichen Jugend statt. Weltmeister Thomas Daley sowie die Starter aus den USA und Italien mussten kurzfristig aus Verletzungsgründen passen. Auch Tim Pyritz hatte kurz vor dem Wettkampf mit muskulären Problemen an der Wade zu kämpfen. Arzt und Physiotherapeut des deutschen Teams konnten den Einsatz des Springers jedoch garantieren. Mit zweitbester Pflichtleistung und durchschnittlicher Vorkampfkür begann Tim im Finale den Kampf um die Bronzemedaille. Alles lief gut, bis zum zweieinhalbfachen Auerbachsalto gehechtet. Diesen Sprung konnte Tim wegen vieler kleiner gesundheitlicher Probleme im Vorfeld nur wenig trainieren. Im Finale erwischte Tim einen super Ansatz, öffnete den Sprung dann aber zu spät. Wertungen um 4,5 warfen den Sportler auf Rang sechs zurück. Aber auch die Konkurrenz blieb nicht fehlerfrei und schwächelte. Plötzlich war die Medaille wieder drin. Der Chinese Qui Bo war dem Feld schon über 100 Punkte enteilt und der Ukrainer Oleksandr Bondar stand schon im Training als stabiler Zweiter fest. Nur um Platz drei gab es Gerangel und interne Wetten.
Vor der letzten Runde fiel mitten im Sprung des Chinesen das Flutlicht auf einer Seite des Sprungbeckens aus. Qiu Bo ließ sich nicht beeindrucken und krachte seinen Sprung trotzdem mit Wertungen um 8,5 ins Wasser. Das Angebot des Schiedsrichters, den Sprung wiederholen zu dürfen, lehnte er dankend ab. In der 20- minütigen Wettkampfunterbrechung wurden die Zuschauer noch mal richtig mit Musik in Stimmung gebracht. Die Sportler schrieben schon die ersten Autogramme und Erinnerungsfotos wurden geschossen.
In der letzten Runde lag Tim nur noch 5 Punkte hinter dem dritten Platz. Mit seinem sauberen Schraubensprung konnte er allerdings den Rückstand nicht aufholen.
Der Mexikaner Ivan Garcia überzeugte mit dem tollen viereinhalbfachen Salto vorwärts gehockt und sicherte sich in sportlich fairer Entscheidung Bronze.
Ein wenig traurig waren Tim und seine Trainerin schon, denn eine Medaille bei den ersten Olympischen Spielen der Jugend zu holen ist schon etwas Einmaliges.
Die Olympischen Spiele der Jugend waren ein tolles Erlebnis. So, wie sie stattfanden, sind sie wohl nur in Asien durchführbar. Tausende Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf, der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nicht vermissen ließ und das Gefühl der „ Überorganisiertheit“ trotzdem nicht entstand.
Irgendwie hatte Jacques Rogge doch Recht. Es sollten fröhliche Spiele werden ohne großen Erfolgsdruck aber mit viel Spaß am Sport und im Kultur-und Bildungs-Programm. Und das waren sie auch.
Mit einer Medaille hätten wir aber sicher noch viel mehr Spaß an diesen Spielen gehabt.
Monika Dietrich
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