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Die Landeshauptstadt Schwerin: Zwischen sportivem 20.MV-Geburtstag und 19.Drachenbootfestival
Mecklenburg-Vorpommern feierte am 14. und 15.August. Beim MV-Tag 2010 in der Landeshauptstadt MV gab es zahlreiche sportliche, kulturelle und gesellschaftliche Höhepunkte. Schwerin feierte MV, sich selbst und 20 Jahre deutsch-deutsche Vereinigung. Die Großen und Kleinen aus Politik, Kunst, Musik, Sport, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen, aus der „Mitte der Gesellschaft“, „Leute wie du und ich“, und noch viele mehr bildeten eine illustre Gäste-Schar und das 850jährige Schwerin erwies sich als guter Gastgeber.
Nebenbei wurde gesungen, Jennifer Rush, 2raumwohnung, die Crazy Boys oder Keimzeit sorgten für Gänsehaut-Feeling auf dem Alten Garten, gepaddelt, beim 19.Drachenbootfestival auf dem Pfaffenteich, geschwommen, beim 6.Langstreckenschwimmen in Schwerin, dazu geredet, gespeist, getanzt, gelacht, erinnert und gemahnt – auf das alles gut war und besser wird.
Natürlich wurde ausgiebig gefeiert – vom Schlossgarten bzw. Marstall über den Alten Garten, den historischen Markt über den Pfaffenteich bis hin zum Hauptbahnhof war die Landeshauptstadt eine einzige Festmeile.
Mehr als 200 Stände sowie Aussteller aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesundheit, Sport, Kultur oder Tourismus, zahlreiche Veranstaltungsbühnen, viel regionale Prominenz, rund 100000 Besucher und zwei Tonnen Pyrotechnik sorgten – trotz der suboptimalen Laune von Petrus – für Stimmung, Gaudi und Trallala in Schwerin.
Ministerinnen und Minister hielten sogar im Landtags-Festzelt auf dem Alten Garten Bürgersprechstunden ab, so Sozialministerin Manuela Schwesig oder Justizministerin Uta-Maria Kuder.
Die Landeshauptstadt Schwerin hatte gerade am zweiten August-Wochenende wieder einmal eine gute Zeit …
Gut waren aber in den letzten 20 Jahren vor allem die Sportler aus MV, ob beim Boxen, Rudern, Schwimmen, Wasserspringen, in der Leichtathletik, beim Ju-Jutsu, beim Wasserski, beim Kanu-Rennsport, beim Judo, bei Drachenbootsport, beim Handball, beim Damen-Volleyball – um nur ein paar MV-Erfolgssportarten zu nennen.
Sportlerinnen und Sportler wie Andreas Dittmer, Andreas Tews, Sabine Felser, Annika Walter, Dörte Lindner, Jürgen Schult, Peggy Büchse, Sylvia Roll, Britta Kamrau, Holger Wulschner, Jan Kurfeld, Ramona und Carmen Brussig, Natalie Ball, Jana Schmidt, Franka Dietzsch, Astrid Kumbernuss, Ralf Bartels, die Rostocker Ruder-Flotte oder Stefan Nimke sorgten bei Olympia und internationalen Meisterschaften für unvergessliche Momente.
Zehn olympische und paralympische Goldmedaillen gab es seit 1990 für Athletinnen und Athleten, die während ihrer Olympia-Teilnahme für einen Sportverein in M-V starteten.. So konnten bei den Olympischen Spielen 1992 Andreas Tews (Schwerin) Gold im Boxen und Anke von Seck (Rostock) Gold und Silber im Kanu-Rennsport erkämpfen. Jürgen Schult (Schwerin) holte Diskus-Silber, Hans Sennewald (Rostock) Achter-Bronze und Gewichtheber Andreas Behm (Stralsund) Bronze. Bei Olympia in Atlanta 1996 begann die Gold-Serie von Andreas Dittmer (Neubrandenburg) im Kanu-Rennsport. Klub-Kollegin Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) gewann Gold im Kugelstoßen und Wasserspringerin Annika Walter (Rostock) überraschte mit Silber im Wasserspringen.
Bei den Paralympics 1992 in Barcelona
erwies sich Karl-Christian Bahls (Greifswald) im deutschen Rolli-Bogenschützen-Team als ziemlich treffsicher: Gold in der Mannschaft für ihn.
Bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney holten fünf Athleten aus M-V-Vereinen Medaillen: Andreas Dittmer (Neubrandenburg) Gold und Bronze im Kanu-Rennsport, Stefan Nimke (Schwerin) Silber im Zeitfahren, Dörte Lindner (Rostock) Bronze im Wasserspringen, Astrid Kumbernuss (Neubrandenburg) Bronze im Kugelstoßen und Stefan Utess (Neubrandenburg) Bronze im Kanu-Rennsport.
Bei den Olympics 2004 fügten Andreas Dittmer und Stefan Nimke ihrer Medaillensammlung weitere Plaketten hinzu: Andreas Dittmer mit Gold und Silber im Kanu-Rennsport und Stefan Nimke mit Gold im Teamsprint sowie Bronze im Zeitfahren. Bei den Paralympics 2004 gab es Gold durch Ramona Brussig (Schwerin) im Judo und viermal Silber sowie einmal Bronze durch Natalie Ball (Greifswald) im Schwimmen.
In Peking 2008, bei den vorerst letzten Olympischen und Paralympischen Spielen, durften Sportlerinnen und Sportler aus MV-Vereinen immerhin viermal auf das Treppchen: Gold für den Kanuten Martin Hollstein (Neubrandenburg) und Bronze für Rad-Ass Stefan Nimke im Teamsprint. Die Judo-Schwestern Ramona (Silber) und Carmen (Bronze) gewannen dann bei den folgenden Paralympics 2008 ebenfalls Medaillen.
Nicht nur diese sportlichen Erfolge wurden während des MV-Tages in Schwerin auch vom Ministerpräsidenten Erwin Sellering gewürdigt. Mecklenburg-Vorpommern ist eben nicht nur „Tourismusland“, „Kinderland“, ein „Kultur- und Bildungsland“ oder „ein Land des Handwerks“- MV ist natürlich auch ein erfolgreiches Sportland.
Doch trotz aller MV-Tagesfeiern – Erfolge, ganz gleich wo, bedürfen der Pflege und damit einer angemessenen Förderung. Und die beginnt frühzeitig … Aber MV versteht sich – wie erwähnt – ja auch als „Kinderland“ !
Übrigens: Während des 19.Drachenbootfestivals demonstrierte der Neubrandenburger Kanute Andreas Dittmer wieder einmal seine große Klasse. Zunächst im Berliner Gut.-Team, dann bei der Stadtwette . So wettete der Veranstalter, die Kanurenngemeinschaft Schwerin, dass das Drachenbootteam es schafft, die Petermännchen-Fähre mit mindestens 20 Schweriner Stadtvertretern sowie dem Petermännchen 250 Meter über den Pfaffenteich zu ziehen.
Dazu hätte das Drachenboot-Team fast neun Minuten Zeit gehabt. Klar, dass mit Andreas Dittmer an Bord alles viel, viel schneller ging. Nach zwei Minuten und 15 Sekunden war „Schicht im Schacht“ auf dem Pfaffenteich. Die Wette erfüllt, ja weit übererfüllt. Daran können sich sogar die Schweriner Stadtvertreter ein Beispiel nehmen …
Und wie lautet das Resümee zum 19.Drachenbootfestival aus Sicht der Organisatoren ? Dazu Michael Zachrau von der Kanurenngemeinschaft Schwerin: „Das Wetter war ziemlich besch … Aber dennoch: Das Drachenbootfestival 2010 begeisterte erneut Aktive und Zuschauer. Es waren mehr als 4000 Drachenbootsportlerinnen und –sportler sowie rund 120 Teams vor Ort. Alles was Rang und Namen im Drachenbootsport in Deutschland hat, startete in Schwerin. Und alle Teams wiesen ein sehr gutes Leistungsniveau auf. Beim Großen Preis von Schwerin triumphierte erneut das Team `Fette Motte` aus Berlin/Neubrandenburg. Die Mannschaft gewann den Pokal zum dritten Mal und darf ihn somit behalten. Im Städterennen `85.0` siegte Neubrandenburg. Nun richten sich die Blicke bereits auf das nächste Jahr. Dann feiert das Drachenbootfestival seinen zwanzigsten Geburtstag !“
Schwerin 2010 – zwischen 850.Stadtjubiläum, „Drachen“ auf den Pfaffenteich und 20 Jahren M-V und deutsche Einheit ! - Exkurs: Maritimer Sport in Schwerin mit großen Traditionen und Erfolgen
Die „Wurzeln“ maritimer Sportvereine in Schwerin – Ruderern, Segler, Schwimmer, Kanuten, Angler und Motorbootsportler mit großer Tradition.
Gerade fand auf dem Schweriner Pfaffenteich das 19.Drachenbootfestival mit begeisterten Paddlern, Fans und Zuschauern statt, aber der Drachenbootsport ist in der Landeshauptstadt MV im Vergleich zu Ruderern, Seglern oder Kanuten und deren Vereinen noch relativ jung ...
Die mecklenburgische Residenzstadt Schwerin wurde von der allgemeinen Ruder-Begeisterung in Deutschland Ende des 19.Jahrhunderts erfaßt. 1871 konstituierte sich hier der Rudersport: Der erste Verein war der „RC § 11“, der „von den Herren Pagels, Joseph, Könecke, Lammers, Tesch, Lewerenz und Wiegels am 10.November 1871 begründet wurde“. Nach dem Vorbild Hamburg wollte man ganz einfach „einen Ruderclub auf dem Schweriner See gründen“.
Erstes Ruderboot mit Namen „Helena“
Das erste Ruder-Boot wurde vom Geheimen Kommerzienrat Francke auf „Helena“ getauft, welches mehrere Jahr vom Ruderclub genutzt wurde. Aufgrund des Zuspruchs unter den Schwerinern - bis 1872 zählte der Club 19 Mitglieder - wurde ein zweites Ruder-Boot, eine Zehnergig, in Wismar bestellt. Diese konnte 1873 geliefert werden. Als Vereinsvorsitzender fungierte der Zahnarzt Wilhelm Wiegels, der entscheidenden Anteil daran hatte, daß sich der Rudersport überhaupt in Schwerin organisierte.
Im Jahr 1920 erhielten auch die Schweriner Kanuten mit dem„Kleinsegel- und Kanu-Verein zu Schwerin“ einen eigenen Verein. Dessen Geschäftsstelle befand sich in der Arsenalstrasse Nummer 10.
Segler mit eigenem Verein seit 1894
Erst 1835 wurde mit der Stralauer Tavernen-Gesellschaft der erste deutsche Segel-Verein geschaffen. Fünfzehn Jahre später - 1850 - fand dann auf der Hamburger Alster die erste deutsche Segel-Regatta statt.
Aufgrund seiner Seenlandschaft war auch die mecklenburgische Landeshauptstadt Schwerin für die Ausübung des Segelsportes geradezu prädestiniert. Die Anfänge des organisierten Segelsportes in Schwerin liegen vor allem im so genannten Schweriner Regattaverein, der aus dem im Jahre 1883 gegründeten Segel- und Ruderverein hervorging.
Im Anschluß an eine Regatta des Segel- und Rudervereins zu Schwerin im September 1894 machte der begeisterte Segler und Druckereibesitzer Herberger den Vorschlag zur Trennung der Interessengemeinschaft des Ruder- und Seglervereins, da dieser nach seiner Auffassung die Belange der Schweriner Segler nicht ausreichend genug vertrat. Herberger äußerte seine Meinung am Rande einer Preisverteilung am 1.9.1894 im Schweriner „Casino“. Sofort waren 40 anwesende Segler bereit, dem neu zu gründenden Verein beizutreten.
Bereits am 13.Oktober 1894 kam es zur Gründung des „Schweriner Segler-Vereins“; damit war auch der Segelsport in Schwerin eigenständig organisiert.
Schweriner Angler seit 1924 mit Verein
Erst 1924 - am 30.03.24 - fand die Gründungsversammlung des Schweriner Anglervereins 1924 e.V. statt. An dieser Versammlung nahmen 115 Gründungsmitglieder teil. Knapp 2 Monate später, am 26.Mai 1924, wurde der „SAV“ in das Vereinsregister der Stadt eingetragen und damit offiziell als Sport-Verein anerkannt. Noch im gleichen Jahr schlossen sich die Schweriner Sport-Angler dem 1923 gegründeten Mecklenburgischen Anglerbund an.
Gerade im Bereich der Mitgliederwerbung verzeichnete der „SAV“ große Erfolge. Ende des Jahres 1924 zählte man im Verein bereits 220 Mitglieder.
Motorboote erhielten Wanderpreis der Stadt
Motorboote auf dem Schweriner see – das ist heute alles andere als selten, abererst nach dem I.Weltkrieg konnten sich auch die Schweriner für diese Sportart begeistern und gründeten den „Schweriner Motorboot-Club e.V.“. Dieser veranstaltete bis 1933 jährlich Club-Regatten mit auswärtiger Beteiligung, die meistens in der Zippendorfer Bucht, auf dem Großen Schweriner See oder auf dem Burgsee stattfanden. Für diese Regatten stiftete der Magistrat Schwerin einen Wanderpreis.
Schwerin seit 140 Jahren – eine gute Heimat für den maritimen Vereinssport !
© Marko Michels
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© Redaktion Rostock-Sport
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