Eiskunstlauf-Wettbewerb bei den Damen im Zeichen der Anteilnahme / Vize-Weltmeisterin Joannie Rochette trauert um ihre plötzlich verstorbene Mutter / Biathlon-Staffel kam ohne Magdalena Neuner auf Platz drei
Schneller – Höher – Weiter – Besser.
Die Maximen bei Olympia. Immer Spektakuläreres. Immer mehr Pep. Immer mehr Show. Immer mehr Unterhaltendes. Dafür immer weniger Menschliches.
Heute fand auch die Staffel-Entscheidung im Biathlon mit der deutschen Staffel in der Besetzung Kati Wilhelm, Simone Hauswald, Martina Beck und Andrea Henkel, die Bronze erkämpften, statt. Ohne Magdalena Neuner. Ja, ohne die Gold-Lena, die von allen – zu Recht - enthusiastisch gefeiert wurde, von Medien, Sponsoren, Fans, Funktionären und den vielen anderen so vermeintlich wichtigen Menschen in dieser Welt.
… Doch die mit zweimal Gold und einmal Silber bei ihren ersten Olympischen Winterspielen bereits jetzt schon so erfolgreiche Athletin verzichtete. Großer Aufschrei. Große Spekulationen. Aber der Grund ist ein nur allzu menschlicher: „Sie sei vom Kopf her ganz schön müde.“, verriet sie. Alle haben an ihr herumgezerrt …
Trotz zweier olympischer Goldmedaillen einfach einmal inne zu halten. Sich selbst und anderen ein Stopp-Signal, ja Grenzen zu setzen, zeugt von großer Reife und Persönlichkeit.
Was die 23jährige seit 2007 bei Weltmeisterschaften, bei Weltcup-Wettbewerben und nun bei Olympia 2010 leistete, ist ohnehin einzigartig und vorbildlich.
Leider stehen die Athletinnen und Athleten – und das gilt nicht nur für den Wintersport - nur bei großen Wettkämpfen im Rampenlicht. Zu wenig wird von der harten Vorbereitung und vom harten Training zur Kenntnis genommen. Nur mit eisernem Willem, viel Fleiß, Hingabe und nie endendem Kampfgeist sind solche Spitzenleistungen, wie die von Magdalena Neuner, möglich.
Hochleistungssport – das bedeutet eben auch, sich selbst zu überwinden, sich ständig neu zu motivieren und sich auch neue Ziele zu setzen. Dazu sind die Wünsche von Sponsoren, Fans und Medien zu erfüllen und nicht zuletzt dürfen oftmals Schule sowie berufliche Ausbildung nicht vernachlässigt werden. Und ein persönliches, privates Leben gibt es auch noch.
Darum sollte dem Verzicht von Magdalena Neuner auf ihren Staffel-Start Respekt gezollt werden.
Traurigste Momente im Leben einer Eiskunstläuferin …
Mehr als nur Respekt ist jedoch einer kanadischen Eiskunstläuferin zu zollen, die in der olympischen Eiskunstlauf-Entscheidung auch für ihre verstorbene Mutter laufen wird, die zwei Tage vor Beginn der Wettbewerbe im Damen-Einzel des Eiskunstlaufens plötzlich verstarb.
Für Joannie Rochette, amtierende Vize-Weltmeisterin, Silbermedaillen-Gewinnerin der Vier-Kontinente-Meisterschaften 2008/09 und sechsfachen kanadischen Meisterin, sollten die Tage in Vancouver die schönsten und fröhlichsten Stunden ihrer sportlichen Karriere werden. Jetzt sind es die traurigsten ihres Lebens – ganz gleich, wie der Wettbewerb ausgeht.
„Niemand könne sich in die Lage von Joannie hineinversetzen, aber sie sei ungemein stark …“, meinte Brian Orser, der kanadische Erfolgstrainer, 1984 sowie 1988 selbst Silbermedaillengewinner im Herren-Einzel.
Ihrer Mutter, die die Tochter stets unterstützte, ihre Karriere förderte, alles gegeben hätte, sie bei Olympischen Spielen erleben zu können, will Joannie diesen Wunsch dennoch erfüllen.
Die kanadische Ausnahme-Läuferin ist heute körperlich auf dem Eis, mit den Gedanken und mit dem Herzen ist sie jedoch bei ihrer Mutter. Diese schaut auch zu, von einem ganz anderen, besseren Ort … Therese Rochette, Joannies Mutter, starb am 21.Februar im Alter von 55 Jahren.
Am 23.Februar, ab 16.30 Uhr Ortszeit, bestreitet Joannie den berührendsten Wettkampf ihres Lebens. Ganz gleich wie es aus geht, die 24jährige Kanadierin – nur ein Jahr älter als Magdalena Neuner – hat schon jetzt alle Anteilnahme und Bewunderung verdient !
Wie meinte Martina Beck nach der Staffel-Entscheidung im Biathlon im ZDF: "Es gibt auch noch wichtigere Dinge als Sport !"
So ist es ...
Die Sportfans trauern jedenfalls mit Joannie Rochette mit.
Weitere Infos über die kanadische Eiskunstläuferin, Nachfolgerin von Liz Manley, die 1988 hinter Katarina Witt Silber erlief, unter: www.joannierochette.com .